Zum Wohl!

Regionale Produkte liegen voll im Trend, vor allem im Bereich der Lebensmittel. Auch beim Bier gibt es mittlerweile eine erfrischende Vielfalt lokaler Erzeugnisse. Eines der jüngsten Craft-Biere kommt aus Alsdorf.
Frank Langguth (r.) und sein Bruder Jürgen vor ihrem „historischen“ Lieferwagen
Die Abfüllung des Biers in Flaschen nimmt Frank Langguth eigenhändig vor.
Die Abfüllung des Biers in Flaschen nimmt Frank Langguth eigenhändig vor.

„Natürlich schmeckt`s am besten“ – unter diesem Motto stellt Frank Langguth seit etwa zwei Jahren ein ganz besonderes Produkt her: Der gelernte Techniker und Maschinenbauer braut sein eigenes Bier. Das wirklich Besondere am „Fronk“, wie Langguth das Bier genannt hat, liegt in der Tatsache, dass es tatsächlich vor Ort gebraut und abgefüllt wird und somit durch und durch ein Alsdorfer Bier ist. „Bei vielen Craft-Bieren ist das anders“, weiß Frank Langguth: „Die basieren oft auf einem speziellen Rezept und regionaler Vermarktung, werden aber ganz woanders in großen Brauereien mitgebraut. Mir hat man das zunächst auch vorgeschlagen, als ich anfing, meine Idee vom eigenen Bier in die Tat umzusetzen. Aber ein lokales Bier aus Alsdorf etwa in einer Großbrauerei in Bayern herstellen zu lassen, halte ich für witzlos. Ich wollte unbedingt selber brauen.“

Ein Stück weit liegt das Selbermachen, gerade wenn es um Bier geht, bei Frank Langguth wohl auch in der Familie. „Ein Bruder von mir, der in Süddeutschland lebt, hat sich schon früher hobbymäßig am Bierbrauen versucht. Das Ergebnis war durchaus trinkbar, traf meinen Geschmack aber nicht so ganz“, erinnert sich Langguth. „Ich habe mir gedacht: Das kann man noch besser machen…“

Übung macht den Meister

Dass es nicht nur bei dem Gedanken blieb, dazu hat dann ein besonderes Geschenk beigetragen: „Vor vier Jahren haben mir meine Mitarbeiter einen Braukurs geschenkt. Der hat sehr viel Spaß gemacht, und danach habe ich dann angefangen, meine Pläne zu konkretisieren und in die Tat umzusetzen.“ So kaufte sich Frank Langguth zunächst eine kleine, 50 Liter fassende Brauanlage und startete erste Versuche. „Nach einigem Probieren hat das so hergestellte Bier schon richtig gut geschmeckt. Freunde und Kunden, denen ich zu Weihnachten ein paar Flaschen geschenkt habe, waren ganz begeistert. Die positive Resonanz hat mir Auftrieb gegeben: Ich habe weitergemacht und mir eine etwas größere Anlage angeschafft“, erzählt Frank Langguth.

Größer heißt, dass er nun rund 200 Liter Bier in einem Brauvorgang herstellen kann – im Vergleich zu Großbrauereien, wo entsprechende Anlagen oft viele zehntausend Liter fassen, ist auch dies eine verschwindend geringe Menge, aber: „Der Aufwand steht so zur erzielten Menge wenigstens in einem halbwegs vernünftigen Verhältnis, denn ob ich 50 Liter, 200 Liter oder 1000 Liter Bier herstelle, ist vom Aufwand her kein großer Unterschied“, weiß Frank Langguth.

Regionales Bier – frisch gezapft
Regionales Bier – frisch gezapft

Der lange Weg zum Bier

Tatsächlich ist es ein ziemlich langer Weg bis zum fertigen, trinkbaren Bier. Es beginnt damit, dass Frank Langguth je nach Rezept verschiedene Malzsorten schrotet. Dann wird der Braukessel mit Wasser gefüllt, das zunächst auf eine noch niedrige Temperatur erhitzt wird. „Das Alsdorfer Wasser ist zum Brauen ideal, das muss ich nicht mehr verändern“, freut sich Langguth. Nun kommt das Malz hinzu, das Ganze wird weiter erhitzt, bis es schließlich kocht. Dann wird Hopfen hinzugegeben – wann das passiert, entscheidet mit über den späteren Geschmack des Bieres, also ob das Bier z.B. eher herb oder eher aromatisch schmeckt. Anschließend wird die Mischung auf 20 Grad abgekühlt und in Gärbehälter umgefüllt, wo sie unter Zusetzung von Hefe je nach Sorte drei bis zehn Tage gärt. Schließlich wird das Bier abermals umgefüllt und kommt in Gärfässer, in denen sich in etwa zwei Tagen die biertypische Kohlensäure bildet; dann kann es je nach Sorte noch bis zu acht Wochen dauern, bis das Bier, gekühlt bei 4 bis 5 Grad, gereift ist. Da die Herstellung einiges an Energie verbraucht, hat Frank Langguth eigens eine Photovoltaikanlage installiert, die den nötigen Strom liefert – sein Bier ist also auch in dieser Hinsicht ein nachhaltiges Produkt.

Großer Aufwand, lohnendes Ergebnis

„Das Ganze ist ein faszinierender Prozess, und es macht einen Riesenspaß, alles von A bis Z selber herzustellen“, so Frank Langguth. Dazu gehört auch die Abfüllung des Gerstensafts in Flaschen, die Langguth meist mit Unterstützung seines Bruders Jürgen von Hand vornimmt, sowie auch die Etikettierung der Flaschen. Und natürlich spielt auch die Hygiene, die ständige Säuberung der Anlage und der Fässer, eine wichtige Rolle – alles in allem ein großer Aufwand, „doch das Ergebnis ist es wert“, so der Hobbybrauer.

Dies fanden wohl auch viele Bierfans aus der Region, als Langguth im September 2019 sein erstes Fronk-Bier auf dem Europafest in Alsdorf anbot. Und auch auf dem Alsdorfer Weihnachtsmarkt waren seine Biere sehr gefragt. Eigentlich wollte Langguth auch in diesem Jahr auf dem einen oder anderen lokalen Event ausschenken, doch daraus ist coronabedingt leider nichts geworden. „Wir überlegen aber noch, ob wir statt des Weihnachtsmarktes eine kleine Sache hier auf dem Werksgelände machen, und im kommenden Jahr soll es das „Live & durstig Festival“ geben, auf dem das Fronk-Bier zu Livemusik verkostet werden kann…“

Faszinierend anders

Sieben verschiedene Biersorten mit so klangvollen Namen wie „Ale Mandarina“ oder „IPA Simcoe“ braut der Alsdorfer momentan, die alle nach eigenem Rezept hergestellt sind und sich vor allem geschmacklich von herkömmlichen Bieren unterscheiden – nicht von ungefähr ist Frank Langguth auch Mitglied im Verein Deutscher Kreativbrauer. Ein eigenes Lieblingsbier hat er aber nicht – er mag sie alle, denn jedes habe seine Eigenheiten. Wichtig ist Frank Langguth dabei, dass der Geschmack nur durch die verschiedenen Malze, den Hopfen und die Hefe entsteht; „alle Biere sind ohne Fruchtzusatz hergestellt“, betont er. Und Frank Langguth lässt sich durchaus „in den Kessel schauen“, wie er sich ausdrückt – soll heißen: Er gewährt gerne Einblick in die Herstellung. „Ich habe hier keine Geheimnisse, wer Interesse hat oder selber Hobbybrauer ist oder werden möchte, kann sich gerne bei mir melden.“

Erhältlich sind die Fronk-Biere im lokalen Getränkehandel und im Werksverkauf, den Frank Langguth immer freitags und samstags veranstaltet und bei dem die einzelnen Sorten auch probiert werden können. „Manch einer, der eher zufällig vorbeikam, ist dann auf den Geschmack gekommen. Schließlich muss Bier kein langweiliges Alltagsprodukt sein, es kann genossen werden wie ein guter Wein“, sagt Frank Langguth, und die Freude über sein Craft-Bier steht ihm ins Gesicht geschrieben.

Craft-Bier

Der Begriff kommt aus dem Englischen bzw. Amerikanischen und bezeichnet allgemein Biere, die handwerklich in einer unabhängigen, kleinen Brauerei hergestellt werden. Ihren Ursprung haben Craft-Biere in den USA, wo sie seit den 1970er Jahren ein wachsendes Gegengewicht zu den damals nur sehr wenigen Standard-Biersorten der Großbrauereien darstellen. Auch in Deutschland ist der Trend zu individuellen, regionalen Bieren seit einigen Jahren ungebrochen. Die Herstellung ist dabei durchaus kreativ: So können neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser auch andere natürliche Rohstoffe wie Früchte, Kräuter oder Gewürze verwendet werden. Weitere Infos dazu gibt es auch auf der Website der Deutschen Kreativbrauer unter www.deutschekreativbrauer.de.


Weitere Informationen zum Fronk-Bier finden Sie im Internet unter
www.biermanufaktur-langguth.de

Erfrischend anders – einige weitere Biere aus der Region:

Aachen:
Lennet Bier, eine Mischung aus Gersten- und Weizenmalz – www.lennet-bier.de

Cornelius-Bräu, ein in Eichenfässern gereiftes Spezialbier – www.cornelius-braeu.de

Baesweiler:
Klenkes, ein mit geröstetem Malz gebrautes Spezialbier – www.klenkes-bier.de

Linnich:
Lambertus Pils, Dunkel, Starkbier und Zwickel – www.brauerei-rainer.de

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