Rasantes Hobby auf zwei Rädern

Wenn die Mitglieder des Motor Sport Clubs Grenzland e.V. Gas geben, hat das mit normalem Motorradfahren nicht viel zu tun: Beim Motocross geht es darum, möglichst flink durch schweres Gelände zu kommen – Sprungartistik inklusive.

Mit hoher Geschwindigkeit und in ziemlicher Schräglage kommt das Motorrad durch die Kurve geschossen, tief graben sich die Reifen in den Sand, der nach allen Seiten wegspritzt. Das kann nicht gutgehen, denkt man als Laie unwillkürlich – doch es geht gut: Geschickt hält der Fahrer die Maschine auf Kurs, richtet sie nach der Kurve wieder auf und gibt Gas. Das Motorrad beschleunigt rasch, fährt über eine kleine Kuppe, worauf Fahrer und Maschine gut 15 Meter durch die Luft fliegen. Nach der „Landung“ geht es noch ein Stück geradeaus, dann verschwindet das Motorrad hinter der nächsten Kurve…

Training im Tagebau

Ort des Geschehens ist die Motocross-Strecke des Motor Sport Clubs (MSC) Grenzland e.V., eine Bahn mit Sand-, Kies- und Lehmboden, gelegen auf dem Tagebaugelände in der Nähe des Kraftwerks Weisweiler. Es ist Samstagmittag, und die Temperaturen sowie die winterlich nasskalte Witterung laden nicht gerade zum Motorradfahren ein. Dennoch sind fünf oder sechs Fahrer mit ihren Motocross-Maschinen auf dem Kurs unterwegs. „Die Hartgesottenen trainieren auch im Winter und fast bei jedem Wetter“, weiß Wilfried Marcelli. Er ist 1. Vorsitzender des MSC-Grenzland und seinem Sport seit 35 Jahren leidenschaftlich verbunden.

Die rund 1.600 Meter lange Trainingsstrecke ist für die Motocrosser ideal: „Sie ist bei Trockenheit sehr hart und, wenn es geregnet hat, stellenweise sehr tief. Wir haben hier mehrere Sprünge, die auch für Anfänger bestens geeignet sind. Außerdem gibt es eine steile Sandüberfahrt – es macht einfach Spaß, hier zu fahren“, sagt Wilfried Marcelli – und er steht mit dieser Meinung nicht alleine da. Obwohl Motocross hierzulande eher eine Randsportart ist, haben sich im MSC-Grenzland 120 Enthusiasten aus der Region zusammengefunden; einige motocrossbegeisterte Mitglieder kommen sogar aus Belgien und Holland und machen den Club zum echt „euregionalen“ Verein.

Abgehoben: Sprünge, bei denen Fahrer und Maschine viele Meter durch die Luft fliegen, gehören zumindest für die Fortgeschrittenen zum Motocross dazu.

Herausforderung für Mensch und Maschine

„Grundsätzlich geht es uns allen um die Freude am Fahren. Die meisten betreiben Motocross als Breitensport und kommen auf die Strecke, wenn sie Lust dazu haben. Manche fahren aber auch Wettkämpfe auf ziemlich gutem Niveau – da gilt es natürlich regelmäßig zu trainieren, um körperlich fit zu sein und die Maschine in jeder Situation zu beherrschen. Denn die körperliche Belastung eines Motocrossfahrers ist mit der eines Eishockeyspielers vergleichbar.“ Wilfried Marcelli spricht aus Erfahrung: Er ist früher selbst jahrelang Rennen gefahren und hat es bis zur Teilnahme an der Europameisterschaft gebracht. „Bei Sprüngen von 20, 30 Metern kommt es auf den Fahrer genauso an wie auf die Maschine – das beansprucht jeden Muskel im Körper.“

Angst vor Schmutz sollte man beim Motocross nicht haben.

Jean Bendermacher kann das voll und ganz bestätigen. Der 18-Jährige, der zweifellos zu den „Hartgesottenen“ gehört, nutzt jede Gelegenheit zum Training und ist an diesem Samstag bereits seit zwei Stunden auf der Strecke im Tagebau unterwegs. „Motocross ist eine sehr intensive Sportart: So ein Training, und erst recht ein Rennen ist körperlich sehr anstrengend, gleichzeitig muss man sich auch sehr konzentrieren, um Fahrfehler möglichst zu vermeiden. Da musst du richtig fit und hellwach sein.“

Und natürlich muss auch das Material stimmen: Im Vergleich zu einem herkömmlichen Motorrad hat eine Motocross-Maschine stärkere Bremsen, ein deutlich besseres Fahrwerk, um auf unebenem Gelände fahren zu können, wesentlich weniger Gewicht und geländetaugliche Stollenreifen. Eine typische 250- oder auch 450-Kubikzentimeter-Maschine mit etwa 40 bis 50 PS wiegt nur 100 Kilogramm. „Die werden zwar „nur“ 120 Stundenkilometer schnell, haben aber eine unglaubliche Beschleunigung“, erzählt Vereinsmitglied Andreas Haub. Er ist vor Jahren über seinen Sohn zum Motocross gekommen und dem Sport bis heute treu geblieben. Als Hobbyfahrer schätzt Haub vor allem das Miteinander im Verein, die „Möglichkeit, gemeinsam einen faszinierenden Sport zu betreiben“. Dabei geht es zwar hauptsächlich, aber nicht nur ums Fahren – schließlich müssen die Maschinen auch gepflegt, repariert und instand gehalten werden. „Da profitiert man schon enorm von den Erfahrungen der anderen – es gibt so gut wie kein Problem, für das nicht irgendein Mitglied einen guten Tipp auf Lager hätte“, so Andreas Haub.

Schnupperkursen für Kinder und Jugendliche

Ein Sport auch für Kinder und Jugendliche

Besonderen Wert legt der Verein auf seine Jugendarbeit. Schon ab sechs Jahren können interessierte Kinder im MSC-Grenzland erste Erfahrungen mit Motocross machen. „Dazu braucht man keinen Führerschein, und Kinder lernen die richtigen Bewegungsabläufe und den Umgang mit den Maschinen meist unglaublich schnell“, weiß Wilfried Marcelli. Zweimal im Jahr bietet der Verein deshalb einen Schnupperkurs an, bei dem Kinder und Jugendliche auf vereinseigenen Kindermotorrädern in die Grundlagen des Motocross eingeführt werden und unter fachkundiger Aufsicht elementare Vorgänge wie Anfahren, Bremsen, Kurvenfahren usw. erlernen. Dabei wird auch die nötige Schutzkleidung – Helm, Brustschutz, Knie- und Schienbeinschützer, Stiefel und Handschuhe – vom Verein zur Verfügung gestellt. „Die Kinder haben immer eine Menge Spaß auf unseren Schnupperkursen. Und wer sich anschließend noch nicht sicher ist, ob dieser Sport der richtige für ihn ist, kann sich bei weiterem Interesse auch erstmal ein Kindermotorrad bei uns mieten, anstatt sofort eins zu kaufen“, so Marcelli. Und auch Erwachsene können auf Anfrage gerne ins Motocross reinschnuppern.

Benzin im Blut

Für alle Motocrosser – Kinder, Jugendliche und Erwachsene –, die ihr fahrerisches Können unter Beweis stellen und sich mit ihren Vereinskollegen messen möchten, veranstaltet der MSC-Grenzland jedes Jahr eine Clubmeisterschaft. Ziel dabei ist es, in einer vorgegebenen Zeit die meisten Runden zu absolvieren. „Das ist für viele ein großes Highlight“, weiß Sportwart Stefan Aretz. „Manche sind auf die Wettfahrten so versessen, dass wir sie intern auch schon mal als „Clubweltmeisterschaft“ bezeichnen“, meint Wilfried Marcelli mit einem Schmunzeln. Darüber hinaus findet einmal im Jahr der ADAC-MX-Cup in Weisweiler statt – eine große Rennserie, die der MSC-Grenzland als einer von zehn Vereinen mitbegründet hat.  „Bis zu 400 Fahrer aus ganz Nordrhein-Westfalen und dem benachbarten Ausland gehen da in den verschiedenen Wettbewerben an den Start, das sorgt dann schon für eine tolle Rennatmosphäre“, schwärmen Wilfried Marcelli, Stefan Aretz und Andreas Haub – und man merkt spätestens jetzt, dass die drei jede Menge Benzin im Blut haben.

Einige weitere Motocross-Vereine in der näheren Umgebung:

MSC Arnoldsweiler e.V. – www.msc-arnoldsweiler.de

MSC Grevenbroich e.V. – www.msc-grevenbroich.eu

Motor Sport Club Kleinhau – www.msc-kleinhau.de

Die Motocross-Strecken der Vereine können in der Regel auch von Gastfahrern genutzt werden; nähere Infos dazu finden sich auf den Internetseiten der Vereine.

Seine Ursprünge hat das heutige Motocross in England, wo Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Geländefahrten veranstaltet wurden. Dabei versuchten die Fahrer, mit ihren Maschinen einen Berg oder Hügel hinaufzufahren – gewonnen hatte, wer am weitesten kam. Das erste eigentliche Geländerennen mit Motorrädern fand 1908 auf einem englischen Militärgelände in Form einer „Fuchsjagd“ statt: Motorradfahrer und Reiter traten als Gruppe gegeneinander an. Die Reiter gewannen, da nur zwei von 13 Motorradfahrern das Ziel erreichten…
An Popularität gewann der Sport, als die Maschinen stärker und zuverlässiger wurden. So fand 1952 zum ersten Mal eine Motocross-Weltmeisterschaft statt. In Deutschland ist Motocross bis heute zwar eher eine Nischen-Sportart, hat aber eine beständige Fangemeinde, was sicher auch an den für die Zuschauer spektakulären Wettkämpfen liegt.

Viele weitere Infos zum MSC-Grenzland e.V., der Motocross-Strecke und den Trainingszeiten, den Wettkämpfen und weiteren Aktivitäten des Vereins finden Sie im Internet unter:
 www. msc-grenzland.de

 

 

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