Rasante Renner

Porsche, BMW, Lamborghini und viele andere mehr: Im Slotcar Club Bardenberg treten schnittige Sportwagen zu spannenden Rennen gegeneinander an – ferngesteuert und maßstabsgetreu verkleinert.

Eine gelb lackierte Corvette, ein grüner Lamborghini und zwei weiße Porsche stehen auf gleicher Höhe nebeneinander. Es liegt Spannung in der Luft, die Fahrer wirken konzentriert. Auf Kommando beginnt das Rennen: Ein hohes Sirren erfüllt den Raum und die vier Sportwagen schießen los. In Sekundenbruchteilen haben sie die erste Kurve erreicht und passiert, und fast schneller, als das Auge folgen kann, sausen sie jetzt über die Rennstrecke. Schon nach knapp acht Sekunden ist die erste Runde absolviert, zum zweiten Mal und immer wieder geht es durch den anspruchsvollen Parcours. Nach acht Minuten bleiben die Rennwagen kurz stehen, werden in eine andere Spur gestellt, und schon geht`s weiter. Nach zwei weiteren Spurwechseln und insgesamt 32 Minuten hat der Lamborghini mit knappem Vorsprung gewonnen.

Die „grüne Hölle von Bardenberg“

Ort des spannenden Geschehens ist die Rennanlage des Slotcar Clubs Bardenberg, von den Mitgliedern in Anspielung auf den Nürburgring auch „grüne Hölle von Bardenberg“ genannt. Bei den Autos handelt es sich um Modellrennwagen im Maßstab 1:32. „Slotcars“ heißen die Fahrzeuge im Fachjargon, da sie mit einem Leitkiel in einem Schlitz (englisch „slot“) geführt werden. „Das Prinzip dürfte vielen noch von den alten Carrerabahnen aus der Kindheit bekannt sein“, erklärt Guido Jansen, der „Fahrer“ der gelben Corvette. Anders als ihre spritgetriebenen Vorbilder sind die Slotcars mit Elektromotoren unterwegs – daher auch das hohe Sirren, das von den winzigen, hochdrehenden Motoren herrührt. „Die fahren ganz emissionsfrei“, betont Horst Mirgartz, stolzer Besitzer des grünen Lamborghini und etlicher weiterer Modelle, augenzwinkernd.

„In unserem Club, eigentlich einer Interessengemeinschaft, haben sich Slotcarbegeisterte zusammengetan, um ihr Hobby mit anderen zu teilen, sich auszutauschen, zu testen und zu tunen – und natürlich vor allem, um zu fahren“, so Guido Jansen. 14 Mitglieder zählt der Club, der seit 20 Jahren besteht, momentan. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten steht die eigene Rennstrecke, die sich die Bardenberger selbst gebaut haben und die zum Fahren mit den Miniflitzern geradezu einlädt: 28 Meter lang, vier Fahrspuren nebeneinander, und das Ganze (wie bei einer „richtigen“ Rennstrecke) mit vielen liebevollen Details ausgestattet: von maßstabsgetreuen Figuren und Gebäuden über die Bandenwerbung bis hin zur Beleuchtung. Die Anlage, untergebracht in einer kleinen Halle, wirkt wie eine Carrerabahn XXL. „Da steckt eine Menge Arbeit drin, und wir bauen auch immer noch weiter daran“, sagt Winfried Leclaire, der sich vor allem um die Technik der Anlage kümmert.

Blitzschnelle Beschleunigung

Gesteuert werden die kleinen Flitzer über mechanische oder elektronische Handregler, mit denen die Autos beschleunigt und, wenn man den Finger vom Drücker nimmt, wieder gebremst werden. Lenken müssen die Fahrer nicht, denn die Fahrtrichtung ist durch den Slot bzw. Schlitz immer vorgegeben. Das klingt zunächst einfach – wären da nur nicht die Kurven und die Geschwindigkeit. Zwar erreichen die Slotcars „nur“ rund 25 Stundenkilometer Höchstgeschwindigkeit; weil sie und auch die Rennstrecke aber so klein sind, vermitteln sie den Eindruck eines viel höheren Tempos. „25 Stundenkilometer sind immerhin etwa sieben Meter pro Sekunde, aber so weit geht es auf dem Parcours kaum irgendwo geradeaus“, verdeutlicht Peter Reul, ebenfalls ein passionierter Slotcar-Fahrer. Dazu kommt, dass die Autos sehr leicht sind. „Die wiegen deutlich unter 100 Gramm und können entsprechend schnell beschleunigen“, weiß Reul.

Entsprechendes Fingerspitzengefühl ist gefragt, um die Slotcars schnell und sicher über die Rennbahn zu steuern. „Wer zu schnell in die Kurven geht, kommt ins Schleudern oder fliegt sogar raus – wenn das passiert, hat man eigentlich schon verloren“, bringt es Guido Jansen auf den Punkt und ergänzt: „Einfach nur Gasgeben bringt also überhaupt nichts, man muss sein Auto und die Strecke genau kennen, um möglichst optimal zu fahren.“ – „Und man braucht starke Nerven und die nötige Ruhe, um sich von den anderen nicht zu riskanten Manövern reizen zu lassen. Gerade die Zweikämpfe sind natürlich immer besonders aufregend“, ergänzt Horst Mirgartz.

Spannende Rennserien, striktes Reglement

Dabei geht es um Bruchteile von Sekunden – vor allem, wenn Wettkämpfe wie z.B. die ADAC GT Masters gefahren werden. An dieser und auch anderen Rennserien nehmen die Mitglieder des Slotcar Clubs Bardenberg regelmäßig teil. „Wir fahren die Rennen abwechselnd hier bei uns sowie auf den Anlagen zweier befreundeter Clubs in Simmerath-Steckenborn und in Stolberg – man muss sein Können also auf verschiedenen Strecken unter Beweis stellen“, erklärt Peter Reul.

Wie ihre großen Vorbilder hat jede Rennserie ein eigenes Reglement, das strikt einzuhalten ist. So sind nur bestimmte Modelle zugelassen, die hinsichtlich Karosserie, Motor, Federung, Reifen und vieler anderer Details bestimmte technische Voraussetzungen genau erfüllen müssen. „Nur so ist die Vergleichbarkeit gewährleistet und es zeigt sich, wer sein Auto am besten beherrscht. Das macht die Rennen dann sehr spannend“, so Horst Mirgartz. Neben den üblichen Fahrzeugen im Maßstab 1:32 fährt er auch größere Modelle im Maßstab 1:24, mit denen sich der Club seit Neuestem beschäftigt. Auch bei den „Großen“ ist bereits eine Rennserie in Planung.

Basteln und optimieren

Bei den Fahrzeugen selbst handelt es sich um handelsübliche Modelle realer Autos, die aber – immer gemäß dem Reglement – von den Fahrern modifiziert werden dürfen, um sie schneller zu machen. In der Praxis bedeutet dies, dass die Slotcar-Fans sehr viel an ihren Modellen basteln. So stammt bei der gelben Corvette von Guido Jansen beispielsweise nur die Karosserie von Carrera. „Chassis und Motor kommen jeweils von einem Spezialhersteller“, verrät der Besitzer. „Außerdem habe ich die Magnete entfernt, die das Auto ursprünglich auf der Bahn halten sollen, und stattdessen das Fahrwerk über Gewichte getrimmt, d.h. fahrstabiler gemacht – dadurch fährt das Auto nun naturgetreuer.“ Auch die Achsen und Lager hat er eigens poliert und optimal eingestellt sowie durch Ausprobieren die für dieses Fahrzeug besten Reifen ermittelt – alles, um das Slotcar noch um die möglicherweise entscheidenden Sekundenbruchteile schneller zu machen. Schließlich wird die Zeit auf der Anlage in Bardenberg elektronisch und bis auf die Tausendstelsekunde genau gemessen – „bei den manchmal winzigen Abständen zwischen den Autos und den vielen Runden ist eine möglichst exakte Zeitmessung wichtig“, so Winfried Leclaire.

Interessenten willkommen

Und ist Slotracing ein teures Hobby? „Eigentlich nicht“, meint Guido Jansen. „Ein Slotcar bekommt man ab etwa 50 Euro, für einen einfachen Regler sollte man auch nochmal 40 bis 50 Euro investieren. Nach oben gibt es natürlich wie überall viel Luft, aber auch mit einem Einsteigermodell kann man schon sehr ordentlich fahren und viel Spaß haben. Um ein Gefühl für das Fahrzeug zu bekommen, muss man dann einfach viel üben, das heißt fahren. Wer das macht, wird meist automatisch besser – und nicht selten zum passionierten Slotcar-Racer…“

Gäste und Besucher sind an der Rennstrecke in Bardenberg übrigens immer willkommen. „Egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener: Wer Interesse am Slotracing hat, darf es hier gerne mal probieren“, so Guido Jansen. Und auch wenn man noch kein eigenes Auto hat, ist das kein Problem: „Wer mal reinschnuppern möchte, findet hier immer jemanden, der sein Auto gerne für ein Probetraining zur Verfügung stellt.“

Weitere Infos über den Slotcar Club Bardenberg und seine Aktivitäten sowie die vereinseigene Rennstrecke finden Sie im Internet unter:
www.slotcar-racing-bardenberg.de

Viel Wissenswertes rund um das Thema Slotcars bietet das Slotcar-Forum unter www.slotcarforum.de

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