Helfer in der Not

Ein starkes und schnelles Team: Innerhalb von acht Minuten nach der Alarmierung sind die Frauen und Männer der Freiwilligen Feuerwehr Aldenhoven am Einsatzort.
Wehrleiter Wilfried Thelen vor einem historischen Feuerwehrfahrzeug

Wilfried Thelen hat seinen digitalen Meldeempfänger, umgangssprachlich auch „Piepser“ genannt, immer bei sich – Tag und Nacht. Wenn das kleine Gerät Ton gibt, wird für ihn alles andere zur Nebensache. Egal, womit er gerade beschäftigt ist – Wilfried Thelen lässt alles stehen und liegen und eilt so schnell wie möglich zur Feuerwache. Denn Thelen ist Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Aldenhoven, und über den Sender erfahren er und seine Kolleginnen und Kollegen, dass ein Einsatz ansteht. Meist bedeutet dies: Irgendwo in der Gemeinde sind Menschen in Not und brauchen dringend Hilfe – deshalb ist Eile geboten. „Über den Piepser erfahre ich auch Art und Ort des Einsatzes – z.B. ob ein Haus brennt oder unsere Hilfe nach einem Verkehrsunfall angefordert wird. In solchen Fällen kommt es auf jede Minute an“, sagt Wilfried Thelen. Auf der Feuerwache folgt alles einer eingespielten Routine: In Windeseile ziehen sich die Feuerwehrleute um, legen ihre persönliche Schutzausrüstung an – Einsatzanzug, Sicherheitsstiefel, Handschuhe und Helm – und steigen in die Einsatzfahrzeuge. Dann geht`s los, mit Blaulicht und Martinshorn.

Für den Notfall gerüstet: Die Feuerwehrfahrzeuge haben modernstes Equipment an Bord.

In acht Minuten am Einsatzort

Die Freiwillige Feuerwehr Aldenhoven ist ein erfahrenes und eingespieltes Team. „Wir müssen innerhalb von acht Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort sein – so lautet die gesetzliche Vorgabe, und das schaffen wir auch“, sagt Wilfried Thelen. Insgesamt 130 Männer und Frauen stehen in Aldenhoven als aktive freiwillige Feuerwehrleute für den Notfall bereit. „Wir sind rund um die Uhr abruf- und einsatzbereit. Wann und wo etwas passiert, weiß man ja nicht im Voraus – das ist das Spannende und Herausfordernde an der Sache“, meint Hauptbrandmeisterin Anja Meißner, die die Feuerwehr Aldenhoven seit 26 Jahren tatkräftig unterstützt.

Tatsächlich rücken die Aldenhovener nicht nur aus, wenn es irgendwo brennt – „Löscheinsätze machen nicht einmal die Mehrzahl unserer jährlich rund 200 Einsätze aus“, weiß Wilfried Thelen. Wie bei einer Berufsfeuerwehr ist das Spektrum der möglichen Aufgaben bzw. Einsätze breit gestreut: „Wenn ein Haus brennt, kommt es auf eine perfekt funktionierende Feuerwehr genauso an wie bei schweren Verkehrsunfällen, bei denen Verletzte aus ihren Fahrzeugen befreit werden müssen. Und auch wenn Stürme Dächer abdecken und Bäume umstürzen lassen oder etwa Starkregen die Keller unter Wasser setzt, sind wir gefragt“, so Wilfried Thelen über die wichtigsten Einsatzbereiche.

Jeder Einsatz ist anders

All dies läuft unter dem Schlagwort „technische Hilfe“ – auch skurrilere Einsätze, bei denen es nicht immer um Leib und Leben geht. „Wir helfen natürlich auch, wenn ein Kind mit seinem kleinen Finger im Seil der Schaukel festhängt, oder wenn eine Katze auf dem Baum sitzt und nicht mehr herunterweiß“, erklärt Wilfried Thelen. Und grundsätzlich gilt: Jeder Einsatz ist anders: „Wenn wir losfahren, wissen wir nie, was genau uns erwartet – das zeigt sich erst vor Ort, und wir müssen jedes Mal die Lage bewerten und schnelle Entscheidungen treffen, wie wir das konkrete Problem lösen.“

So etwa kürzlich, als die Einsatztruppe um Wilfried Thelen einen Hund aus einem Kanalschacht retten sollte. „Wir dachten zuerst, es handele sich um einen kleinen Hund, der irgendwie durch das Gitter in den Schacht gerutscht sei. Vor Ort stellte sich dann aber heraus, dass ein ausgewachsener belgischer Schäferhund während Reinigungsarbeiten in den Kanal gefallen war und nun nicht mehr herauskam“, schildert Thelen das Problem. „Das Tier war so aufgeregt, dass an ein einfaches Herausziehen nicht zu denken war – selbst sein Besitzer traute sich nicht an ihn heran. So mussten wir erst einen Tierarzt holen, der den Hund mit Hilfe eines Blasrohrs betäubte; dann konnten wir ihn heraufholen.“

Gründliche Ausbildung

Und wie bereitet man sich auf solche Einsätze vor? Zunächst ist da die Feuerwehrgrundausbildung, die jeder absolvieren muss, bevor er oder sie an seinem ersten Einsatz teilnimmt: Sie umfasst vier Module zu je 80 Stunden, in denen die angehenden Feuerwehrleute die Grundlagen der Brandbekämpfung, der technischen Hilfeleistungen und des Zivil- und Katastrophenschutzes vermittelt bekommen sowie den Umgang mit den Fahrzeugen und Geräten erlernen – sozusagen das Feuerwehr-ABC. „Das findet abends und an Wochenenden statt – wir sind ja eine freiwillige Feuerwehr, d.h. jeder hat tagsüber noch einen ganz normalen Job“, erklärt Simon Prell, der u.a. für die Schulung und Ausbildung der Feuerwehr-Neulinge zuständig ist. Die Grundlagen werden dann bei den Einsätzen angewendet – „das ist wichtig, und deshalb nehmen wir neue Kollegen auch zu jedem Einsatz mit, damit sie nach und nach an die Einsatzpraxis herangeführt werden“, ergänzt Wilfried Thelen. Außerdem gibt es nach der Grundausbildung jede Menge Möglichkeiten, sich weiterzubilden und Spezialwissen zu erwerben. „Ganz wichtig für uns sind z.B. Sprechfunker und Atemschutzgeräteträger – zwei Lehrgänge, die wir jedem nahelegen.“

Neben der fundierten Ausbildung ist auch die körperliche Fitness der ehrenamtlichen Helfer wichtig. „Im Notfall müssen wir uns darauf verlassen können, dass jeder Einzelne konstant belastbar ist – bestimmte Fertigkeiten und Einsatzszenarien trainieren wir deshalb auch in regelmäßigen Übungen, darüber hinaus halten sich die Kolleginnen und Kollegen durch Sport fit“, so Thelen. Dies bedeutet allerdings nicht, dass die freiwillige Feuerwehr an Menschen, die keine Sportskanonen sind, kein Interesse hätte. „Wir haben auch spannende Tätigkeiten, die man mit körperlichen Handicaps oder in fortgeschrittenem Alter ausüben kann: z.B. in der Organisation und Planung oder in der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Wer sich engagieren möchte, ist bei uns jederzeit willkommen.“

Viel mehr als ein Hobby

Am wichtigsten ist aber natürlich der Einsatz im Notfall. Neben der Bereitschaft, Menschen in Not zu helfen, spielt dabei der Teamgeist eine besonders wichtige Rolle. „Teamgeist wird heutzutage ja fast überall beschworen – bei uns ist er aber wirklich entscheidend. Denn als Feuerwehrmann oder -frau begebe ich mich immer wieder in Situationen, die nicht ungefährlich sind. Da muss ich mich auf meine Kolleginnen und Kollegen zu hundert Prozent verlassen können“, erklärt Wilfried Thelen. „Das ist viel mehr als ein Hobby, es ist eher eine Berufung.“

Dass sich dieses Engagement lohnt, darin sind sich die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Aldenhoven einig – auch wenn oder vielleicht gerade weil es sich um eine rein ehrenamtliche und damit unbezahlte Tätigkeit handelt. „Bei der Freiwilligen Feuerwehr mitzumachen, ist etwas wirklich Sinnvolles, denn wir helfen Menschen in Notsituationen und retten Leben. Ein Einsatz, der gut ausgeht, ist die schönste Belohnung für den großen Aufwand, den wir alle haben“, bekräftigt René Deutges, der seit 16 Jahren mit dabei ist. – „Und natürlich auch der Gemeinschaftsgeist“, ergänzt Simon Prell. „Die Einsätze schweißen schon zusammen, schließlich geht es nicht selten um Leben und Tod.“ Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Aldenhoven verbringen deshalb auch viel Zeit außerhalb der Einsätze miteinander – vor allem bei den regelmäßigen Übungen, die auf den Ernstfall vorbereiten, aber z.B. auch, um den traditionellen Tag der offenen Tür vorzubereiten.

Interessenten herzlich willkommen

Bei allem Teamgeist ist die eingeschworene Gemeinschaft um Wilfried Thelen stets offen für neue Mitglieder. „Wer uns näher kennenlernen möchte, darf gerne mal bei einem Übungsabend reinschnuppern und sich anschauen, wie bei uns alles abläuft“, so der Wehrleiter. „Das Weitere ergibt sich dann meist automatisch.“ Dies gilt übrigens auch schon für Kinder ab zehn Jahren: Sie können bei der Jugendfeuerwehr mitmachen und dort wichtige Grundlagen der Feuerwehrarbeit spielend lernen. Und an Nachwuchs sind die Aldenhovener Feuerwehrleute immer interessiert. „Schließlich gibt es für eine freiwillige Feuerwehr immer etwas zu tun – früher oder später kommt der nächste Einsatz, garantiert. Und dann ist es gut, wenn möglichst viele Helfer da sind!“

Weitere Infos zur Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr Aldenhoven bietet der Facebook-Auftritt unter:
www.facebook.com/feuerwehr.aldenhoven.9

 

Freiwillige Feuerwehren gibt es in vielen Orten und Gemeinden. Allgemeine Informationen über ihre Aufgaben und Aktivitäten sowie ein Verzeichnis aller freiwilligen Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen finden Sie im Internet unter:
www.freiwillige-feuerwehr.nrw

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