Fit bleiben in besonderen Zeiten

Als dieses regiomagazin entstand, hatten alle Sportvereine ihren Trainingsbetrieb aufgrund der Corona-Krise eingestellt – gemeinsames Training: unmöglich. Manche Sportarten wie etwa Laufen oder Radfahren kann man aber auch allein betreiben. Das macht zwar nicht ganz so viel Spaß, ist aber besser, als gar nichts zu tun…
Zwei Sportskanonen: Markus (l.) und Stefan Ganser aus Breinig

So sieht das auch Markus Ganser aus Breinig. Für ihn beginnt fast jeder Tag mit einem ausgiebigen Jogginglauf. „In Breinig wohnt man ja gewissermaßen direkt in der Natur. Ich muss nicht erst irgendwohin fahren, sondern kann von zu Hause aus einfach loslaufen, bin sofort auf den Feldern und dann im Wald – besser geht`s nicht“, meint Ganser, der in Breinig zusammen mit seinem Bruder Stefan Ganser einen Radsportladen betreibt. Bevor der um 10 Uhr öffnet, hat Markus Ganser in der Regel schon etliche Kilometer rund um seinen Heimatort absolviert. „Heute morgen waren es rund 20“, sagt er, und: „So bleibt man fit und hat gerade jetzt, wo viele andere Aktivitäten ja nicht möglich sind, einen guten Ausgleich. Laufen kann man eben auch allein, und man braucht dazu auch keine Sportanlage.“

Mehr Jogger als sonst

Da zahlreiche Sportarten während der Corona-Krise vorübergehend nicht mehr ausgeübt werden können und alle Vereine ihre Aktivitäten eingestellt haben, haben viele Menschen das Laufen für sich entdeckt – schließlich ist der Bewegungsdrang gerade im Frühling groß. „Auf meinen Läufen vor und nach der Arbeit sehe ich auf den Feld- und Waldwegen jetzt viel mehr Jogger als sonst – das fällt schon auf“, sagt Markus Ganser.

Ihm ist es wichtig, nicht „einzurosten“, wobei der Drang nach sportlicher Aktivität für Ganser als ehemaligen Radrennfahrer sicher besonders groß ist. „Früher habe ich täglich auf dem Rennrad gesessen. Als ich im Jahr 2006 mit den Profi-Wettkämpfen aufgehört habe, habe ich aus einer Laune heraus mit einem Kumpel gewettet, dass ich im nächsten Jahr an einem Ironman-Triathlon teilnehmen würde – also 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen. Das war eigentlich nur so dahingesagt, ich wollte nur nicht wie viele andere ehemalige Leistungssportler, die ihren Sport an den Nagel hängen, kugelrund werden“, erzählt Markus Ganser.

Vom Radrennfahrer zum Ironman

Gesagt, getan: „Radfahren konnte ich ja schon, mit dem Lauftraining habe ich direkt im Winter angefangen – nur das Schwimmen war zunächst sehr hart, ich konnte damals keinen Meter kraulen, nur Brustschwimmen“, erinnert er sich. Die richtige Schwimmtechnik habe er dann im Verein gelernt und anschließend sehr viel trainiert. „Tatsächlich habe ich im Jahr darauf in Lanzarote meinen ersten Ironman absolviert und meine Wette gewonnen.“

Doch damit nicht genug: Markus Ganser ist seither dem Triathlon treu geblieben, den er im Vergleich zum reinen Radfahren als abwechslungsreich schätzt. Sogar am legendären Ironman auf Hawaii hat er bereits teilgenommen – und das schon zehnmal. „Für den diesjährigen Hawaii-Ironman, der im Oktober stattfinden soll, habe ich mich wieder qualifiziert – hoffentlich fällt er nicht aus“, sagt Markus Ganser mit Blick auf Corona, „das ist jedes Mal ein unbeschreibliches Erlebnis.“

Cyclocross: Mit dem Rennrad durchs Gelände

Eine echte Sportskanone ist auch Markus Gansers jüngerer Bruder Stefan. Bis Ende 2012 war er ebenfalls im Radrennsport aktiv – seither fährt er Mountainbike-Marathons sowie im Winter sogenannte Cyclocross-Rennen. Dabei geht es auf Rennrädern mit Stollenreifen durch leichtes bis mittelschweres Gelände, über Sand, Lehm und Matsch – eine Disziplin, in der Stefan Ganser bereits zweimaliger NRW-Meister ist. Er trainiert mehrmals pro Woche mit seinem geländegängigen Fahrrad im Wald. „Für mich hat die momentane Krise, zumindest was das Training anlangt, nicht so viel geändert“, sagt Stefan Ganser. „Ich war auch vorher schon meistens allein im Wald unterwegs, Cyclocross ist kein Mannschaftssport.“ Nur schwimmen, das er als Ausgleichssport betreibt, könne er momentan nicht: „Die Schwimmbäder sind ja alle geschlossen, und im See ist es jetzt noch viel zu kalt“, meint er mit einem Schmunzeln. Doch auch mit Radfahren und Laufen könne er sich prima fit halten.

Engagiert für den Sport: „Breinig läuft!“…

Die beiden Brüder sind nicht nur selbst überzeugte Sportler, sie engagieren sich auch in ihrer Freizeit für den Sport. So organisiert Markus Ganser jedes Jahr das beliebte Lauf-Event „Breinig läuft!“ „Dies ist ein Volkslauf, der für jeden etwas zu bieten hat“, erklärt Markus Ganser, der seinerzeit die Idee für die Veranstaltung hatte. „Wir wollten ein Sport-Event für jedermann, das die Attraktivität des Ortes erhöht – und das ist auch gelungen. Schon die unter Sechsjährigen können mitmachen, für sie gibt es einen 300-Meter-Lauf. Für Schülerinnen und Schüler haben wir verschieden lange Strecken, und dann natürlich das Hauptrennen über 10 Kilometer. Und wir haben verschiedene Staffelläufe für junge und ältere Teams im Angebot.“

Die große Beliebtheit von „Breinig läuft!“ hängt zum Teil wohl mit der schönen Streckenführung zusammen, die die Läufer durch Breinig und hinaus auf die umgebenden Felder sowie am Waldrand vorbei wieder zurück in den Ort führt. Zu einem Großteil ist es aber sicherlich auch die perfekte Organisation und das große Engagement von Markus Ganser und seinem Team ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer, das die Veranstaltung zu einem echten Volkslauf macht. „Im letzten Jahr hatten wir rund 1.300 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Start, darunter 700 Kinder. In diesem Jahr muss „Breinig läuft!“ leider, leider ausfallen – aber ich bin sicher, dass wir im kommenden Jahr an Christi Himmelfahrt wieder laufen werden. Dieses Event ist sehr wichtig für unseren Ort – in sportlicher Hinsicht natürlich, aber auch, weil es den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärkt.“

…und der BSR-Radsporttag

Ähnlich ist es beim BSR-Radsporttag, bei dessen Organisation Stefan Ganser seit Langem tatkräftig mithilft. „Das ist ein Rundstreckenrennen für Vereins-Radsportler, bei dem alle Altersklassen vertreten sind: von Schülern und Jugendlichen bis hin zu Senioren – sogar ein Laufradrennen über 500 Meter für Ein- bis Vierjährige haben wir im Angebot. Das Hauptrennen startet erst abends und wird bei Flutlicht beendet – das sorgt für ganz besondere Stimmung“, erzählt Stefan Ganser. Er selbst hilft bei der Organisation des Radsporttags als „Mädchen für alles“: „Absperrgitter aufbauen, Werbebanner anbringen, die Jury mit Essen und Trinken versorgen, vor den Rennen die Strecke kehren – dies alles und noch mehr will gemacht werden, und da helfe ich gern“, so Stefan Ganser, der das Hauptrennen während seiner aktiven Zeit als Radrennsportler selbst dreimal gewinnen konnte.

Der BSR-Radsporttag wird übrigens ebenso wie „Breinig läuft!“ auch von der EWV unterstützt. „Ohne solche Sponsoren wären diese Veranstaltungen nicht denkbar“, sind sich die beiden Brüder einig. „Bei allem ehrenamtlichen Engagement vieler Helferinnen und Helfer geht es ohne finanzielle Unterstützung nicht.“

Weitere Infos zum Lauf-Event „Breinig läuft!“ sowie zum BSR-Radsporttag finden Sie im Internet unter www.ganserkids.de

Mit dem Mountainbike durch den Wald: Stefan Ganser trainiert für die nächsten Cyclocross-Rennen.
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