Eintauchen ins All

Die Astronomie eröffnet im wahrsten Sinne des Wortes schier unendliche Perspektiven. Und kaum eine Gegend bietet für dieses Hobby so gute Bedingungen wie die Eifel. Bei den Eifelastronomen haben sich begeisterte Amateure aus dem Umland von Monschau zusammengefunden.
Eintauchen ins All

Wer hat nicht schon mal davon geträumt, ferne Planeten und entlegene Galaxien zu beobachten und im nächtlichen Sternenhimmel vielleicht sogar etwas bislang völlig Unbekanntes zu entdecken? Das Universum fasziniert uns Menschen seit eh und je – und das Hobby Astronomie bietet heutzutage beste Möglichkeiten, dieser Faszination nachzugehen. Wer in die unendlichen Weiten des Weltraums eintauchen möchte, muss nicht unbedingt Captain Kirk sein – mit entsprechendem Equipment kann man das All auch von der heimischen Erde aus erkunden. „Schon mit einem guten Fernglas beispielsweise kann man auf dem Mond einiges sehen. Und ein Einsteigerteleskop ermöglicht bereits den Blick auf Planeten wie Jupiter, Mars und Saturn – und damit auf ganz neue „Welten““, berichtet Jörn Medau.

Ideale Bedingungen in der Eifel

Jörn Medau beschäftigt sich seit vielen Jahren in seiner Freizeit mit Astronomie und ist zudem Vorsitzender der Eifelastronomen e.V. In dem 2007 gegründeten Verein haben sich begeisterte Amateurastronomen zusammengefunden, um gemeinsam ihrem Hobby nachzugehen. Dabei bietet die Gegend um Monschau hervorragende Bedingungen für den nächtlichen Blick ins All. „Wir brauchen für unser Hobby vor allem Dunkelheit, denn Teleskope sind sehr lichtempfindlich, und schon das Licht, das von einer kleineren Stadt ausgeht, wirkt sehr störend. In der dünn besiedelten Nordeifel ist es für uns in dieser Hinsicht ideal“, so Medau.

Regelmäßig treffen sich die etwa zwölf Mitglieder des kleinen Vereins an wechselnden Orten in der Nordeifel zur gemeinsamen Himmelsbeobachtung. Dabei stehen mal die Planeten unseres Sonnensystems, mal Kometen oder Asteroiden oder auch – tagsüber – die Sonne im Fokus der Beobachtung. 

Faszination „Deep Sky“

Ein weiterer Schwerpunkt heißt „Deep Sky“: „Dabei handelt es sich um die Beobachtung von allem, was sich außerhalb unseres Planetensystems befindet“, erklärt Heiko Arnemann, der sich auf diesen Bereich der Astronomie spezialisiert hat. Man benötigt dafür absolute Dunkelheit (d.h. auch der Mond darf nicht scheinen) und sehr lichtstarke Teleskope mit großem Durchmesser. Denn die Entfernungen bei Deep Sky sind gigantisch: „Man rechnet nach Lichtjahren, wobei ein Lichtjahr die Entfernung bezeichnet, die das Licht in einem Jahr zurücklegt – also etwa 9,5 Billionen Kilometer“, erläutert Heiko Arnemann. „Der uns nächste Stern ist schon vier Lichtjahre entfernt. Unsere Galaxis hat einen Durchmesser von etwa 100.000 Lichtjahren, und bis zum Andromedanebel, unserer nächsten größeren Nachbargalaxie, sind es schon 2,5 Millionen Lichtjahre. Die am weitesten entfernten Objekte, die man mit unseren Teleskopen beobachten kann, sind Quasare – die sind mehrere Milliarden Lichtjahre weit weg. Wirklich vorstellbar sind solche Entfernungen aber nicht.“

Wer mit Heiko Arnemann, Jörn Medau und ihren Vereinskolleginnen und -kollegen spricht, dem erschließt sich nach und nach die von der Astronomie ausgehende Faszination: „Wenn man in die Unendlichkeit des Weltalls schaut und sich klarmacht, dass unsere Erde nur ein winziger Planet in einem von unzähligen Planetensystemen und Galaxien ist, bekommt man eine kleine Ahnung von den Dimensionen des Universums, und das eigene Dasein erscheint einem etwas weniger wichtig und bedeutend“, so Heiko Arnemann. Und seine Vereinskollegin Birgit Conrads ergänzt: „Faszinierend ist auch, dass ein Blick ins Weltall immer auch ein Blick in die Vergangenheit ist. Denn das Licht, das jetzt bei uns ankommt, ist je nach Entfernung des beobachteten Sterns ja schon seit Jahren oder auch Jahrmillionen unterwegs. Wir sehen den Stern also so, wie er zu einem bestimmten Zeitpunkt, abhängig von seiner Distanz zu uns, war…“

Passionierte Himmelsbeobachter: die Eifelastronomen Edmar Neumann, Birgit Conrads, Heiko Arnemann und Jörn Medau (v.l.n.r.)

Gemeinsam beobachten und fachsimpeln

Und welche Geräte braucht man, um sich den nächtlichen Sternenhimmel näher heranzuholen? „Das variiert je nach Beobachtungsobjekt – für Deep-Sky-Beobachtungen brauchen Sie natürlich ein größeres Teleskop, als wenn Sie nur den Saturn mit seinen Ringen und Monden betrachten wollen; und für Sonnenbeobachtungen benötigt man wieder andere Geräte“, sagt Jörn Medau. Der große Vorteil des Vereins sei natürlich, dass die verschiedenen Mitglieder auch verschiedene Teleskope besitzen. „Wenn wir uns zu gemeinschaftlichen Beobachtungen treffen – regelmäßig an den Neumondwochenenden –, stehen immer mehrere geeignete Teleskope zur Verfügung“, berichtet Jörn Medau.

Neben dem nächtlichen Beobachten kommt bei den Eifelastronomen auch der Erfahrungs- und Informationsaustausch nicht zu kurz: Jeden Monat findet zu diesem Zweck ein Astrotreffen statt, auf dem die Mitglieder von ihren Erfahrungen und Entdeckungen berichten und nach Herzenslust fachsimpeln. „Wir nutzen die Treffen auch für Vorträge zu aktuellen Themen und veranstalten von Zeit zu Zeit auch Kurse und Workshops zu speziellen Bereichen der Astronomie“, so Heiko Arnemann. „Außerdem nehmen wir an bundesweiten Teleskoptreffen teil und besuchen gemeinsam Astronomiemessen – so etwas ist im Kreise Gleichgesinnter viel schöner, als wenn man es alleine macht.“

Beobachtet wird durch das Teleskop

Viel zu entdecken

Um auch Kinder und Jugendliche für die Astronomie zu begeistern, stellen die Eifelastronomen ihr Hobby zuweilen auch in Schulen vor und präsentieren den nächtlichen Sternenhimmel mit Computerprogrammen und Beamer. „Das ist Teil unserer Öffentlichkeitsarbeit, und gerade die Info-Veranstaltungen an Schulen stoßen meist auf großes Interesse“, so Jörn Medau. 

Leistungsstarkes Equipment: Im Verein stehen geeignete Teleskope für die verschiedenen Beobachtungen zur Verfügung.
Leistungsstarkes Equipment: Im Verein stehen geeignete Teleskope für die verschiedenen Beobachtungen zur Verfügung.

Und was sollte man mitbringen, wenn man die Astronomie zu seinem Hobby machen möchte? „Neugier und eine robuste physische Konstitution“ sind sich Birgit Conrads und Heiko Arnemann einig. „Schließlich finden die Beobachtungen in der Regel nachts und im Freien statt, und zwar meist in der kälteren Jahreszeit, wenn die Nächte lang und dunkel sind – da kann es in der Eifel auch schon mal minus zehn Grad und kälter sein, und man bewegt sich nicht sonderlich viel. Man wird dafür aber durch wunderschöne Anblicke belohnt, und es gibt bei jeder Beobachtung viel zu entdecken.“

Gäste und Interessenten sind bei den Eifelastronomen stets willkommen. „Wer mehr über dieses tolle Hobby herausfinden möchte, darf gerne an unseren Treffen teilnehmen. Dafür ist nicht einmal ein eigenes Teleskop erforderlich, man sollte sich nur vorher telefonisch oder per Mail anmelden“, sagt Jörn Medau. „Dann erhalten Sie in jedem Fall einen ganz neuen Einblick ins Universum.“

Die Weiten des Weltalls

Die Geschichte der Astronomie ist im Prinzip so alt wie die Kulturgeschichte der Menschheit. Schon in der Steinzeit beobachteten (und verehrten) unsere Vorfahren die Sonne, den Mond und die Gestirne. Die alten Ägypter und die Philosophen der griechischen Antike präzisierten die Beobachtungen und Messungen zunehmend – so wusste man z.B. bereits um 220 v. Chr., dass die Erde eine Kugel ist, und konnte ihren Umfang erstaunlich genau bestimmen. Mit der Erfindung des Fernrohrs stieß die Astronomie Anfang des 17. Jahrhunderts in neue Dimensionen vor, deren Grenzen seitdem immer weiter verschoben wurden – nicht zuletzt durch die Raumfahrt und immer bessere technische Möglichkeiten zur Beobachtung. Dabei ergeben sich, je weiter die Astronomie vordringt, immer neue Fragen, so dass sie wie kaum eine andere Wissenschaft nichts von ihrer Faszination verliert.

Viele weitere Infos zu den Eifelastronomen und ihren Aktivitäten sowie Berichte rund um das Thema Astronomie finden Sie im Internet unter: www.eifelastronomen.de

Vielfältige Informationen zur Astronomie liefert auch die Website www.astronomie.de

1 Kommentar
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  1. H-D ElsenFaszinierendes Hobby!