Dynamischer Sport auf Rädern

…und Wurf, und Korb: Rollstuhlbasketball ist ein rasanter Sport, der körperlich und auch geistig fit hält. In der Rollstuhlgruppe der BSG Aachen e.V. betreiben behinderte und nicht behinderte Sportlerinnen und Sportler gemeinsam das dynamische Ballspiel.

Mit Elan bei der Sache.

Es ist Montagabend, kurz nach 19 Uhr. In der Turnhalle der Maria-Montessori-Gesamtschule in Burtscheid geht es heiß her: Markus Vrenegor hat gerade den Basketball von einem Mitspieler angenommen, nun bewegt er sich dribbelnd und von der gegnerischen Mannschaft verfolgt auf den Korb zu. Geschickt umfährt er einen Kontrahenten, zielt, wirft und – trifft den Korb: Zwei Punkte für sein Team. Doch schon rollt der gegnerische Angriff, und es gilt den eigenen Korb zu verteidigen…

Spaß am Spiel und an der Bewegung

Als „altgedienter“ Spieler kennt sich Andreas Farthmann bestens aus in seinem Sport. Seit einem Unfall im Jahr 1991 ist er auf einen Rollstuhl angewiesen. „Im Zuge meiner Behandlung kam ich 1991/92 in der Sporthalle eines Krankenhauses erstmals in Kontakt mit Rollstuhlbasketball. Ich war direkt begeistert, begann 1993 während meines Studiums in Aachen mit dem Vereins-Basketball in der BSG und spiele bis heute hier in der Gruppe.“ Während dieser Zeit war die Mannschaft mehrere Jahre in der 2. Bundesliga und ein Jahr lang sogar in der 1. Bundesliga vertreten. „Momentan spielen wir in der Oberliga und sind damit sehr zufrieden – schließlich ist das Leistungsniveau heute deutlich höher als vor zehn oder 20 Jahren, der ganze Sport hat sich professionalisiert“, erzählt Andreas Farthmann. 

Auf jeden Angriff folgt der Gegenangriff.

An den Wochenenden sind er und seine Mannschaft im Rahmen des Spielbetriebs häufig im ganzen Land unterwegs. „Natürlich will man da auch gewinnen – ganz ohne Ehrgeiz geht es nicht, da muss man auch schon mal beißen. Aber am wichtigsten ist es mir, gemeinsam mit meinen Vereinskameraden Spaß am Spiel zu haben und mich körperlich fit zu halten.“ – „Wenn du im Rollstuhl sitzt, ist Fitness ein noch viel wichtigeres Thema als für nicht behinderte Menschen“, bestätigt Markus Vrenegor, der seit Mitte letzten Jahres mit dabei ist. „Rollstuhlbasketball ist da ideal: So ein Spiel bringt ein Maximum an Bewegung, der Kreislauf kommt ordentlich in Schwung, und wenn man hinterher total erschöpft ist, fühlt man sich richtig gut. Außerdem macht es einfach Spaß, in der Gruppe mit Gleichgesinnten zu spielen.“

Ein richtig buntes Team

Rund 60 Mitglieder zählt die Rollstuhlgruppe der BSG Aachen. Das Besondere am Rollstuhlbasketball ist, dass hier nicht nur Menschen mit unterschiedlichen Behinderungsgraden, sondern auch nicht behinderte Sportler zusammen spielen. „Wir haben einige Fußgänger in unserer Abteilung, die begeisterte Rollstuhlbasketballer sind“, bestätigt Andreas Farthmann. So zum Beispiel Heinz Antosch. Er ist vor Jahren über seinen Sohn, der von Geburt an auf einen Rollstuhl angewiesen ist, an die BSG Aachen gelangt. „Ich wollte dann auch mal sehen, wie das funktioniert, im Rollstuhl Basketball zu spielen, fand Gefallen am Spiel und der guten Atmosphäre hier in der Gruppe und bin bis heute dabeigeblieben“, erzählt Heinz Antosch. „Wer als Fußgänger intensiv Basketball spielt, kann irgendwann beispielsweise Knieprobleme bekommen. Die Rollstuhl-Variante des Spiels ist dann auch für Nichtbehinderte eine gute Möglichkeit, weiterhin Basketball zu spielen“, weiß Andreas Farthmann.

Bis auf den Rollstuhl brauchen die Sportlerinnen und Sportler keine besondere Ausrüstung – der allerdings ist ein meist maßangefertigtes Sportgerät, das sich von herkömmlichen Rollstühlen deutlich unterscheidet. „Diese Rollstühle haben keine Bremsen, die Räder stehen viel schräger als bei einem normalen Rollstuhl, damit man stabiler fährt und sich schneller drehen kann. An der Rückseite haben die Stühle zusätzlich ein oder zwei Stützräder, die ein Überkippen nach hinten verhindern. Zum Schutz der Füße bei Zusammenstößen, zu denen es im Spiel nicht selten kommt, gibt es außerdem einen Rammbügel“, erläutert Yvonne Nickel, die die Rollstuhlbasketballer gemeinsam mit zwei weiteren Übungsleitern trainiert.

Vor dem eigentlichen Spiel ist Aufwärmtraining angesagt.

Um bei den gemischten Teams vor allem in Wettbewerben eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werden alle Spieler klassifiziert, indem sie eine Punktzahl zwischen 1 und 4 ½ erhalten. Dabei gilt: Je stärker ein Spieler eingeschränkt ist, desto niedriger ist sein Punktwert. So erhalten Fußgänger etwa 4 ½ Punkte, Spieler mit dem stärksten Behinderungsgrad nur einen Punkt. Jede Mannschaft darf maximal 14 ½ Punkte aufs Spielfeld stellen, und es dürfen höchstens zwei Nichtbehinderte mitspielen. Für den Einsatz von Frauen und Jugendlichen gibt es zudem einen Punktebonus. „Dass beim Rollstuhlbasketball behinderte und nicht behinderte Sportler in einem Team spielen, macht einen ganz besonderen Reiz aus – integrativ ist unser Sport somit schon seit eh und je“, sagt Andreas Farthmann. „Bei uns in der Gruppe spielen außerdem noch Frauen und Jugendliche mit, so dass wir wirklich ein sehr buntes Team sind.“ Als einzige Rollstuhlbasketballgruppe der Umgebung zählt die Abteilung der BSG Aachen nicht nur Aachener, sondern auch Spielerinnen und Spieler aus der umliegenden Region zu ihren Mitgliedern. „Einige kommen sogar aus Belgien und den Niederlanden“, so der Abteilungsleiter.

Auch der Umgang mit Ball und Rollstuhl wird ständig geübt.

Auf die Taktik kommt es an

Neben dem Ballgefühl und körperlicher Fitness geht es im Training auch immer wieder um die richtigen Spielzüge. „Taktik spielt im Rollstuhlbasketball eine noch wichtigere Rolle als bei den Fußgängern“, sagt die Trainerin. „Wenn z.B. zwei Spieler in ihren Rollstühlen nebeneinanderstehen, kommt da keiner mehr durch. Man muss ein solches Hindernis dann mit möglichst geringem Aufwand und ohne den Ball zu verlieren umfahren. Letzten Endes geht es immer darum, in einer gegebenen Situation den entscheidenden Vorteil für sich herauszuspielen – da ist oft auch jede Menge Köpfchen gefragt, vor allem, wenn man in den höheren Ligen mitspielen will“, so Yvonne Nickel.

Interessenten sind in der Rollstuhlgruppe jederzeit willkommen. „Wir hatten auch schon mehrmals junge Frauen und Männer hier, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren und mal schauen wollten, was für sportliche Aktivitäten im Rollstuhl möglich sind“, berichtet Andreas Farthmann und setzt hinzu: „Die waren sehr beeindruckt.“ Wer mal ein Training der Rollstuhlbasketballer miterlebt hat, kann das gut nachvollziehen.

Rollstuhlbasketball ist ein vergleichsweise junger Sport: Erfunden wurde er 1946 in den USA von ehemaligen Basketballern, die trotz Kriegsverletzungen weiter ihren Sport ausüben wollten. Vom Heimatland des Basketballs verbreitete sich auch Rollstuhlbasketball rasch und wird heute in rund 80 Ländern gespielt.

Weitere Informationen über die Rollstuhlgruppe der BSG Aachen e.V., ihre Trainingszeiten und Aktivitäten finden Sie online unter:
www.bsgaachen.de

Wer sich für Rollstuhlbasketball interessiert und es einmal ausprobieren möchte, ist stets willkommen. Interessenten melden sich am besten per E-Mail bei Abteilungsleiter Andreas Farthmann: BSG-AC-AF@arcor.de

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