Die goldene Kugel

Boule wird nicht nur auf idyllischen französischen Dorfplätzen gespielt. Auch im Bouleclub „La Boule d`Or“ in Niederzier-Krauthausen gibt es leidenschaftliche Anhänger des Kugelsports – und ein vereinseigenes Boulodrome.

Konzentriert steht Peter Kraus am Rand des Spielfeldes Nummer 8 im Krauthausener Boulodrome, eine Eisenkugel in der rechten Hand, und schätzt die Situation ab. „Schießen“ oder „legen“, das ist wie so oft beim Boule jetzt für ihn die Frage. Er entscheidet sich fürs „Schießen“: Scheinbar locker wirft er die Kugel aus dem Handgelenk so präzise, dass sie eine etwa sechs Meter weit entfernt liegende Kugel des gegnerischen Teams trifft, wegschießt und genau an ihrer Stelle liegenbleibt. „Carreau sur place“ nennt man diesen schwierigen Wurf im Fachjargon – Peter Kraus ist zufrieden, er hat gerade einen Punkt für sein Team gemacht.

Die Jagd nach dem „Schweinchen“

Kraus ist leidenschaftlicher Boule-Spieler und Mitglied im Krauthausener Bouleclub „La Boule d`Or“, auf Deutsch „Die goldene Kugel“. Die etwa 60 Mitglieder treffen sich regelmäßig im Boulodrome, wie die Spielanlage genannt wird, um dem faszinierenden Spiel mit den Kugeln nachzugehen und sich in punkto Geschicklichkeit zu messen. Die Grundregeln des Spiels sind schnell erklärt: Es geht immer darum, mit den eigenen Kugeln möglichst nah an eine Zielkugel – im Französischen cochonnet, d.h. „Schweinchen“ genannt, heranzukommen. Die gegnerischen Kugeln und auch die Zielkugel dürfen dabei auch herausgedrückt oder weggeschossen werden. Die Spieler treten entweder einzeln, als Zweier-Team (sogenannte Doublette) oder in Dreier-Mannschaften (Triplette) gegeneinander an. Jede Kugel, die näher am „Schweinchen“ liegt als die der gegnerischen Mannschaft, ergibt einen Punkt. Gewonnen hat, wer zuerst 13 Punkte erreicht.

„Die Schwierigkeit liegt beim Boule im präzisen Abschätzen und Werfen der metallenen Kugeln, die zwischen 680 und 800 Gramm wiegen. Das ist ungeheuer spannend, denn es wird um jede Kugel gekämpft, und je nach Situation braucht man eine andere Taktik und Wurftechnik. Dabei geht es nicht selten um Millimeter – da braucht man das richtige Gefühl und natürlich jede Menge Übung“, weiß Peter Kraus, der seit neun Jahren im Verein ist und in der Kreisliga spielt. Um das Spiel zu beherrschen, sei auch eine gute Kenntnis des Bodens wichtig. „Die Kugeln verhalten sich auf einem trockenen und harten Boden ganz anders als etwa auf einem feuchten Untergrund – das muss man einkalkulieren“, so Kraus.

36 Bahnen und Flutlicht

Zum Üben bietet das Boulodrome in Krauthausen ausgiebige Möglichkeiten. „Wir haben hier 36 Bahnen, jede etwa drei Meter breit und zwölf Meter lang“, erklärt Karl Sobotta, 1. Vorsitzender von „La Boule d`Or“. „Die große Anzahl der Bahnen ist vor allem für Wettkämpfe wichtig, damit viele Teams gleichzeitig gegeneinander spielen können. Und die ganze Anlage können wir mit Flutlicht beleuchten, so dass wir auch in der kalten und dunklen Jahreszeit spielen können.“

Im Verein sind Spielerinnen und Spieler mit sportlichen Ambitionen gleichermaßen zu Hause wie Freizeitspieler. „Wir haben vier Ligamannschaften, die in den Kreis- und Bezirksligen und -klassen vertreten sind und dort bei den regelmäßigen Turnieren mitspielen. Daneben gibt es aber auch viele Mitglieder, die einfach aus Spaß an der Freude aktiv sind – so wie ich“, meint Alfred Ponten, der seit vier Jahren mit dabei ist. Peter Kraus, der sich um die Anlage und das darauf befindliche Vereinsheim kümmert, bestätigt: „Im Boulodrome ist immer was los – selbst wenn es regnet oder schneit und man meint, bei dem Wetter ist bestimmt keiner auf den Bahnen, trifft man immer Gleichgesinnte, mit denen man spielen und klönen kann.“

Ein geselliger Sport

Neben den gemeinsamen Trainingseinheiten gibt es in Krauthausen ein ausgeprägtes Vereinsleben, z.B. mit gemütlichen Grillabenden im Vereinsheim: „Boule ist eben ein sehr geselliger Sport“, freut sich Kraus. Dass man den Sport auch im fortgeschrittenen Alter noch auf hohem Niveau ausüben kann, ist ein weiteres Plus. „Dass ein 70-Jähriger gegen einen 20-Jährigen gewinnt, ist in anderen Sportarten ja eher selten bis ausgeschlossen – beim Boule ist das problemlos möglich“, weiß Alfred Ponten.

Auch wenn es darum geht, Boule-Turniere zu veranstalten, sind die Krauthausener überaus aktiv. Regelmäßig richtet der Verein Spieltage der Kreis- und Bezirksliga aus und veranstaltet auch eigene Wettkämpfe. „An unserem Frühlingsturnier nehmen ungefähr 160 Spieler aus der ganzen Region und auch aus Holland und Belgien teil – da gibt es oft richtig spannende Spiele zu sehen“, sagt Peter Kraus. Seine Frau Ruth kümmert sich bei den Wettkämpfen um das Catering: Vom kräftigen Frühstück über den Mittagsimbiss vom Grill bis hin zum Kuchenbuffet kommen die Krauthausener auch in kulinarischer Hinsicht locker an das Vorbild Frankreich, das Mutterland des Boule, heran.

Gäste und Anfänger willkommen

An jedem dritten Samstag im Monat veranstaltet der Verein ein offenes Supermêlée-Turnier, an dem auch Gäste teilnehmen dürfen. Supermêlée bedeutet, dass, anders als bei Ligaspielen, Boule-Spieler unterschiedlicher Spielstärke zu einem Team zusammengelost werden. „Der Zufall bestimmt, wer mit wem gegen wen spielt, denn bei jedem Spiel wird neu gelost – so haben auch schwächere Boule-Spieler eine Chance, wenn sie etwa mit einem starken Spieler zu einem Team zusammengelost werden“, erklärt Alfred Ponten. Von März bis September finden diese Turniere statt. „Wer an allen Supermêlées teilnimmt und am Ende die meisten Punkte geholt hat, ist Boulodrome-Meister – ein Titel, der den Ehrgeiz natürlich zusätzlich anstachelt“, meint Ponten.

Wer das Spiel mit den Kugeln einmal ausprobieren möchte, ist auch als Anfänger zu den Supermêlée-Turnieren herzlich willkommen. „Für alle Interessierten gibt es auch die Möglichkeit, montags ab 18 Uhr zu unserem freien Training oder samstags ab 14 Uhr vorbeizuschauen – wir freuen uns über jeden, der es mal ausprobieren möchte“, so Karl Sobotta. Mitbringen muss man dazu nichts – „außer vielleicht gute Laune“, meint Peter Kraus. „Das Schöne am Boule ist ja auch, dass man außer den Kugeln nichts braucht – keine teuren Gerätschaften, keine spezielle Kleidung.“ Ein Satz Kugeln ist für etwa 100 bis 150 Euro zu haben. „Aber Anfängern und Interessierten, die noch nicht wissen, ob sie dauerhaft dabeibleiben wollen, stellen wir die Kugeln selbstverständlich zur Verfügung. So kann jeder ohne großen Aufwand herausfinden, ob Boule das Richtige für ihn ist“, sagt Karl Sobotta. – „Und wen es einmal gepackt hat, der lernt nach und nach auch die Tricks und Feinheiten bei der Jagd auf das Schweinchen“, fügt Peter Kraus hinzu. „Da gilt dann wie so oft: Übung macht den Meister!“

Boule, ob nun als Sportart oder als Freizeit-Kugelspiel, verbinden wir in erster Linie mit Frankreich und französischer Lebensart – der Begriff kommt ja auch vom französischen Wort für Kugel. Spiele mit Steinkugeln sind indes schon für die griechisch-römische Antike nachweisbar. Ab dem Mittelalter waren es dann aber (neben den Italienern mit Boccia) besonders die Franzosen, die sich dem Kugelspiel widmeten – so sehr, dass beispielsweise die Stadt Lyon 1824 das Spiel auf ihren Hauptstraßen untersagen musste, da der Verkehr zu sehr gestört wurde. Vor allem die auf öffentlichen Plätzen ausgetragene Freizeit-Variante, deren korrekter Name Pétanque lautet, erfreut sich in unserem Nachbarland bis heute großer Beliebtheit. Von dort „importierten“ Frankreich-Urlauber das Spiel auch nach Deutschland, so dass Boule bzw. Pétanque mittlerweile auch hierzulande eine treue Fangemeinde hat.

Viele weitere Infos zum Krauthausener Bouleclub, den Trainingszeiten, den Wettkämpfen und weiteren Aktivitäten des Vereins finden Sie im Internet unter:
www.labouledor.de

Einige weitere Boule-Clubs in der Region:

Boule d`Aix-la-Chapelle, Aachen – www.boule-aachen.de

Petanque Freunde Düren – www.gurkenturnier.de

SV Huchem-Stammeln, Boule-Abteilung – www.sv-huchem-stammeln.de

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