Aus Liebe zur Natur

Kröten bei ihrer Wanderung schützen, Wildblumenwiesen mähen, Biotope pflegen und vieles mehr: Im Arbeitskreis Naturschutz Stolberg/Eschweiler setzen sich Menschen aktiv für den Schutz unserer Umwelt und die Bewahrung wertvoller Landschaften ein.

Wenn im März und April die Abenddämmerung einsetzt und es langsam dunkel wird, ist an der L 12 bei Wenau ganz schön was los. Allerdings ist es nicht der Autoverkehr auf der Landstraße, die Langerwehe und Schevenhütte verbindet, der dann plötzlich zunimmt: Vielmehr sind es Kröten, Frösche und andere Amphibien, die auf dem Weg zu ihrem Laichgewässer die Landstraße zu überqueren versuchen. An einem grünen Schutzzaun, der über hunderte Meter entlang der Landstraße verläuft, findet ihre Wanderung vorläufig ein Ende – zum Glück. „Viele Tiere würden sonst beim Überqueren der Straße überfahren werden – ohne den Zaun würden sie ihr Ziel niemals erreichen“, erklärt Daniel Lück, 1. Vorsitzender des Arbeitskreises Naturschutz Stolberg/Eschweiler e.V. Er und viele weitere Vereinsmitglieder haben die Schutzzäune vor einigen Wochen aufgebaut. Sie sind so konstruiert, dass die Tiere, wenn sie daran entlangwandern, in Fangeimer fallen, die in den Boden eingegraben sind. „Diese Eimer kontrollieren wir während der Krötenwanderzeit regelmäßig und bringen die Tiere über die Straße und zu ihrem Laichgewässer“, so Daniel Lück.

Lebensretter für Amphibien

Und wenn sich die Tiere nach dem Laichen auf den Rückweg machen, findet die ganze Prozedur in umgekehrter Reihenfolge statt. „Ich schaue jeden Tag morgens und abends auf beiden Seiten der Straße nach, welche Tiere sich in den Eimern befinden, und bringe sie entweder zum Teich oder zurück in ihr Heimatgebiet“, erzählt Roswita Weinberg aus Simmerath, die seit vielen Jahren bei der Aktion mitmacht. „Die Amphibienwanderung kann bis zu zwei Monate dauern, und je nach Witterung herrscht an manchen Tagen regelrecht Hochbetrieb.“

Weit über 3.000 Amphibien haben die Vereinsmitglieder so im vergangenen Jahr das Leben gerettet – vor allem Erdkröten und Grasfröschen, doch es waren auch Springfrösche, Feuersalamander, Molche und ein Grünfrosch darunter. „Vom Aufbau der Schutzzäune über das tägliche Kontrollieren der Eimer und den Transport der Tiere zum Gewässer bzw. wieder zurück bis hin zum Abbau der Barrieren steckt eine Menge Arbeit hinter einer solchen Aktion“, weiß Norbert Franzen, Mitglied und Ehrenvorsitzender des Arbeitskreises, und meint lachend: „Aber wir nennen uns eben nicht nur „Arbeitskreis“, bei uns steht die Arbeit tatsächlich im Mittelpunkt.“

Aktiv für die Natur

Rund 70 Mitglieder hat der seit 35 Jahren bestehende Arbeitskreis – Menschen, denen die Natur und ihre Bewahrung am Herzen liegt und die sich dafür auch aktiv einsetzen. „Die handfeste Arbeit draußen in der Natur ist für mich ein idealer Ausgleich nach einem Tag im Büro“, sagt Karl-Heinz Plum, der seit einigen Jahren gerne mal kräftig mit anpackt. „Die gemeinsame praktische Arbeit auf einem schützenswerten Stück Land verbindet außerdem – da entsteht ein ganz besonderes Gemeinschaftsgefühl.“

Ging es am Anfang ausschließlich um Amphibien- und Reptilienschutz, sind im Laufe der Zeit viele weitere Aufgaben und Arbeitsfelder hinzugekommen. „Es geht uns immer darum, Lebensräume zu schaffen und zu bewahren, damit die heimischen Tiere einen Platz haben, an dem sie ungestört leben können. Die Krötenschutzaktion ist heute nur ein kleiner Teil unserer Aktivitäten“, sagt Daniel Lück und zählt auf: „Wir legen auch Amphibiengewässer neu an und pflegen sie, um Kröten, Fröschen und Co. passenden Lebensraum zu schaffen. Auf diese Weise haben wir hier in der Region zum Beispiel die Gelbbauchunke vor dem Aussterben bzw. Verschwinden bewahrt. Wir mähen Wildblumen- und Orchideenwiesen, pflanzen Hecken, Bäume und Vogelschutzgehölze, pflegen Streuobstwiesen, betreuen und reinigen Nistkästen für heimische Vögel und, und, und…“

Lebensräume bewahren

Regelmäßig ziehen die Vereinsmitglieder mit Schaufeln, Leitern, Hacken und anderem Arbeitsgerät los, um in Naturschutzgebieten im Raum Eschweiler und Stolberg Pflegearbeiten durchzuführen. Ein wichtiger Teil der Arbeit ist dabei mittlerweile die Bekämpfung von Neophyten, also Pflanzen, die aus fremden Ländern eingeschleppt wurden und aufgrund des Klimawandels auch hier gedeihen. Das Problem: „Pflanzen wie das indische Springkraut oder die kanadische Goldrute verbreiten sich so stark, dass sie einheimische Pflanzen verdrängen und die Flora aus dem Gleichgewicht bringen. Wir müssen diese Gewächse deshalb regelmäßig ausroden, damit sie nicht überhand nehmen“, sagt Norbert Franzen. Und seine Vereinskollegin Lilli Lüttinghaus ergänzt: „Da gibt es immer was zu tun, und die Arbeit lohnt sich wirklich. Es gibt ja immer weniger wertvolle, unberührte Landschaften – sie zu erhalten und damit den unglaublich vielfältigen Lebensraum, den sie bieten, ist unser Ziel.“

Um solche Landschaften dauerhaft zu schützen, kauft der Arbeitskreis, wo sich dies anbietet, mit Hilfe von Zuschüssen der Städteregion, des Landes Nordrhein-Westfalen und der EU hin und wieder auch Wald- und Wiesenstücke – eine Fläche von insgesamt 40 Hektar haben die Mitglieder auf diese Weise bislang schon gerettet. „Das sind bedeutende Lebensräume, die oft als letztes Refugium für vom Aussterben bedrohte Tier- und Pflanzenarten dienen“, sagt Daniel Lück. „Schmetterlinge und Heuschrecken z.B. können auf intensiv bewirtschafteten Wiesen, wie sie für die Massentierhaltung heute üblich sind, gar nicht mehr leben, denn dort gibt es aufgrund der frühen und häufigen Mahd keine Blumen mehr. Auf unseren Wildblumen- und Orchideenwiesen sieht das anders aus, denn die mähen wir nur einmal im Jahr, und gedüngt wird gar nicht.“

Arbeit in Hülle und Fülle

Zudem hat der Arbeitskreis auch die Pacht für sechs Biotope in Stolberg und Eschweiler übernommen, um die sich die Mitglieder sorgfältig kümmern. Auch wenn es etwa darum geht, Fledermauspopulationen zu erfassen oder Orchideen in der gesamten Städteregion zu kartieren, sind die Naturschützer sehr aktiv.  Arbeit gibt es also in Hülle und Fülle. „Wer bei uns mitmachen möchte, ist immer herzlich willkommen – und ich kann garantieren, dass wir für jeden die passende Aufgabe finden“, sagt Norbert Franzen.

Und was sollte man mitbringen, wenn man den Arbeitskreis tatkräftig unterstützen möchte? „Wir erwarten keinerlei Vorkenntnisse, nur Liebe zur Natur und Einsatzbereitschaft“ bringt es Franzen auf den Punkt. „An vielen unserer Aktionen können Sie auch teilnehmen, ohne Mitglied im Arbeitskreis zu sein. Für Interessierte ist das eine prima Möglichkeit, uns kennenzulernen.“ Eine Möglichkeit, von der beispielsweise die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Mausbach seit fast 20 Jahren Gebrauch machen, indem sie bei bestimmten Aktionen tatkräftig mithelfen. „Für die Kinder ist das meist gar keine Arbeit, sondern ein tolles Erlebnis mitten in der Natur“, freut sich Norbert Franzen.

Viele weitere Infos zum Arbeitskreis Naturschutz e.V., seinen Aktivitäten und aktuellen Projekten bietet die Website des Vereins unter: www.arbeitskreis-naturschutz.de

Helferinnen und Helfer sind stets willkommen! Wer mitmachen möchte, kann sich an den 1. Vorsitzenden Daniel Lück wenden (Tel.: 02402 99 79 392, E-Mail: daniel.lueck@bs-aachen.de).

Aktiven Naturschutz betreibt auch der Naturschutzbund Deutschland (NABU), der in vielen Städten und Kreisen Ortsverbände betreibt: https://nrw.nabu.de

Eine Übersicht über weitere Naturschutzverbände in der Region bietet die Seite der Biologischen Station unter: www.bs-aachen.de/de/medien/links/

1 Kommentar
1 Kommentar
Die mit (*) gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.
  1. Redaktion**Dieser Kommentar verstößt gegen unsere Nutzungsbedingungen und wurde
    daher entfernt.**